Von Kasse bis Kopierer

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Kopieren, kassieren, kellnern... Drei Viertel aller Studierenden gehen einer Nebentätigkeit nach. Doch dabei gibt es einige Unterschiede bezüglich der Vereinbarkeit mit dem Studium. Auch das Gehalt variiert mitunter stark.

Unsere Autorinnen Ajla und Carla warten beide mit einiger Nebenjob-Erfahrung auf und bringen heute etwas Licht ins Dunkel des Studierendenjob-Dschungels! Sie vergleichen verschiedene Tätigkeitsbereiche miteinander und ziehen ein Fazit, welche Jobs sie anderen Studierenden empfehlen würden.

Egal ob im Café, hinter der Aldi-Kasse oder an der Uni, viele Studierende müssen neben dem Studium arbeiten. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2020 sind es sogar fast drei Viertel aller Studierenden, die einer bezahlten Nebentätigkeit nachgehen.[1] Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft stehen natürlich finanzielle Aspekte im Vordergrund, insbesondere in Anbetracht der fortschreitenden Inflation. Nicht selten spielt aber auch der Wunsch, bereits während des Studiums Erfahrungen im späteren Berufsfeld zu sammeln, eine maßgebliche Rolle.

Unsere Autorinnen Ajla und Carla möchten euch einen kurzen Überblick über ihre Erfahrungen mit Nebenjobs geben und ziehen für euch ein Fazit, welche Tätigkeiten sie neben dem Studium empfehlen würden!

 

Welche Studentenjobs hattet ihr bis jetzt? Und wo arbeitet ihr aktuell?

Ajla: Ich habe als Studentin schon viele verschiedene Nebenjobs ausprobiert. Angefangen habe ich im Einzelhandel. In einem Modegeschäft habe ich Klamotten sortiert, aufgeräumt und vor allem im Lager gearbeitet. Auch war ich einige Zeit im Promotion-Bereich tätig und habe dafür einen Gewerbeschein angemeldet. Seit etwas über zwei Jahren bin ich nun aber an der Universität beschäftigt.

 

Carla: Ich hatte seit Studienbeginn schon einige Nebenjobs. Gelegentlich kellnere ich auf Veranstaltungen im Saarbrücker Schloss und im Sommer auf der Matinee im Schlossgarten. Das hat während Corona allerdings alles nicht stattgefunden. Daher habe ich letztes Jahr für einige Monate im Gesundheitsamt bei der Ermittlung der Corona-Fälle ausgeholfen. Außerdem habe ich schon zwei Mal in den Semesterferien in der ZF am Band gearbeitet, weil man dort in sehr kurzer Zeit sehr viel verdienen kann. Aber mein Hauptjob ist schon beinahe seit Beginn des Studiums vor fast fünf Jahren meine Tätigkeit als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl der juristischen Fakultät, wo ich auch heute noch arbeite.

 

Welche Vor- und Nachteile hatten die jeweiligen Nebenjobs?

Carla: Jeder meiner Nebenjobs hatte seine eigenen Vor- und Nachteile. Der Job bei ZF wurde wie bereits erwähnt besonders gut bezahlt. Dafür musste man jedoch auch im Schichtdienst arbeiten und die Arbeit an sich ist nicht unbedingt die spannendste.

Das Kellnern hat den Vorteil, dass ich sehr flexibel bin und keine festen Zeiten habe. Allerdings kann es auch sein, dass einige Zeit keine Veranstaltungen stattfinden und ich so kein Geld verdienen kann. In anderen Monaten, wie Dezember und Januar, wenn Weihnachtsfeiern und Neujahrsempfänge stattfinden, muss ich dafür umso mehr arbeiten.

Im Gesundheitsamt musste ich neben dem Lernen wöchentlich 20 Stunden arbeiten und der Job war zeitlich befristet. Es tat aber gut, während der Pandemie auf diesem Wege helfen zu können.

Der Job an der Uni ist jedoch der Einzige, bei dem ich keine Nachteile sehe.

 

Ajla: Der Job im Einzelhandel konnte besonders am Wochenende anstrengend sein, da man oft stundenlang stehen muss, Kund:innen bedient und darauf achten muss, den Laden ordentlich zu halten. Es gab aber auch Tage, an denen nicht viel los war und die Zeit nur sehr langsam vorüberging. Gut fand ich, dass ich immer feste Arbeitszeiten hatte und daher gut planen konnte.

Bei meinen Promotion-Jobs war ich sehr frei. Ich hatte neben festen Aufträgen auch wechselnde, teilweise eintägige Jobs wie z.B. am Weihnachtsmarkt oder bei Veranstaltungen. Es war nie langweilig, man hat viele verschiedene Leute kennengelernt und ich konnte in vielen Bereichen Erfahrungen sammeln. Ich musste mich aber auch aktiv um Aufträge bemühen. Habe ich das nicht gemacht, habe ich natürlich auch keine Arbeit bekommen. Das führte dazu, dass ich in manchen Monaten gar keine Aufträge hatte. Während anderer Monate, besonders während der Sommerferienzeit und um die Weihnachtszeit, war es dafür aber sehr einfach, Arbeit zu finden. Das führte natürlich dazu, dass mein Gehalt von Monat zu Monat stark variierte. Auch musste ich wegen des Gewerbescheins eine Steuererklärung abgeben.

Bei meiner Tätigkeit an der Uni habe ich diese Gehaltsschwankungen nicht. Ich arbeite jeden Monat die gleiche Anzahl an Stunden und verdiene dementsprechend immer das gleiche Gehalt. Auch in meiner Stundeneinteilung bin ich frei.

 

Wie habt ihr Studium und Nebenjob miteinander vereint?

Ajla: Ich konnte meine Arbeit bisher immer gut mit meinem Studium verbinden. Durch die festen Arbeitszeiten im Einzelhandel wusste ich immer längere Zeit im Voraus, dass ich z.b. freitags und samstags arbeiten muss. So konnte ich meine Lerntage entsprechend legen.

Auch mit der Promotionarbeit konnte ich wie eben schon beschrieben selbst entscheiden, wann ich mehr oder weniger arbeiten möchte und kann. Das hatte aber auch den Vorteil, dass ich in stressigen Phasen, wie z.B. während der Klausuren, weniger arbeiten konnte.

Bei meiner Arbeit an der Universität kann ich meine Arbeitszeiten dank der freien Stundeneneinteilung flexibel um mein Studium herumlegen.

  

Carla: Die zeitintensiveren Jobs, wie der bei ZF, habe ich versucht, weitestgehend auf die Semesterferien zu legen, wenn ich nur eine Hausarbeit zu schreiben hatte.

Doch die Tätigkeit als studentische Hilfskraft ist eindeutig am einfachsten mit dem Studium zu vereinen. Zum einen liegt dein Arbeitsplatz an der Uni, wo du dich idealer Weise ohnehin aufhalten solltest, zum anderen hat es thematisch etwas mit dem Studium zu tun. Viele Lehrstühle legen auch Wert darauf, dass die Tätigkeit nicht mit dem Studium kollidiert. So kann ich bspw. meine wöchentlichen Stunden um Veranstaltungen herum legen. Auch vom Kontakt zu anderen Studierenden, die womöglich schon in höheren Semestern sind oder das Staatsexamen schon abgelegt haben, kann man profitieren. Außerdem ermöglicht es der Einblick in die Arbeitsweisen an einem Lehrstuhl, die Kommunikation mit anderen Lehrstühlen zu verbessern (z.B., wenn man Fragen bzgl. einer Hausarbeit o.ä. hat).

 

Wie seid ihr zu eurer jetzigen Stelle an der Uni gekommen?

Carla: Eine damalige Freundin arbeitete schon eine Zeit als studentische Hilfskraft an diesem Lehrstuhl und als eine Stelle zu besetzen war, brachte sie meinen Namen ins Spiel. Nach Übersendung meiner Bewerbung und einem Vorstellungsgespräch bekam ich dann sehr schnell eine positive Rückmeldung. Es ist oft vorteilhaft, jemanden zu kennen, der ein gutes Wort für dich einlegen kann, solltest du dich für einen Job an der Uni interessieren.

 

Ajla: Ich hatte mich nach meinem Bachelorstudium dazu entschieden, mir einen Nebenjob zu suchen, der etwas mit meinem Studium zu tun hat. Deshalb habe ich mich initiativ an einem Lehrstuhl beworben und wurde auch kurz darauf zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

 

Wie ihr seht, gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, neben dem Studium Geld zu verdienen. Ihr solltet darauf achten, einen Job zu finden, der mit eurem Bedürfnissen übereinstimmt. Ist euch beispielsweise eine freie Zeiteinteilung wichtig? Oder möchtet ihr lieber in manchen Monaten mehr und dafür in anderen Monaten weniger arbeiten?

Bitte denkt auch daran: Das hier sind lediglich Erfahrungsberichte. Es kommt immer darauf an, wo genau ihr arbeitet und welche Arbeit euch Spaß macht. Es kann auch in der gleichen Branche Unterschiede bei der Tätigkeit geben.

 

 

 

 

 

 

[1] Forsa Politik- und Sozialforschung GmbH 2020, https://www.minijob-zentrale.de/DE/02_fuer_journalisten/02_berichte_trendreporte/sonstige/factsheets_studenten.pdf;jsessionid=E094B96C5A66B004BDFD8E5E6F9A8D52?__blob=publicationFile&v=3, aufgerufen am 30.05.2022.