Studium mit Hund: Melina und Gomi

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Studium und Hund – diese Kombination sorgt für einige Herausforderungen, aber vor allem für sehr viele Glücksgefühle! Die Hamburger Jurastudentin Melina hat uns einen Einblick in ihren Alltag mit Pomchi-Weibchen Gomi gegeben.

Mein Name ist Melina Hinzmann. Ich bin 25 Jahre alt und lebe mit meinem Verlobten in einer kleinen Wohnung in Hamburg. Unser gemeinsamer Hund heißt Gomi. Sie ist ein Chihuahua-Mittelspitz-Mischling, auch Pomchi genannt, und wird im November sechs Jahre alt. Gomi ist mein erster Hund und vor ihr konnte ich mir schlicht nicht vorstellen, wie sehr man sein Haustier lieben kann. Gomi ist ein vollwertiges Familienmitglied, ohne das wir uns das Leben nicht mehr vorstellen können. Und gerade in der Corona-Lockdown-Zeit war es Gold wert, durch sie regelmäßig die Wohnung verlassen zu müssen und ein bisschen frische Luft zu tanken.

 

1. Wie gestaltest du deinen Studienalltag mit Hund?

Gomi ist zum Glück ein sehr unkomplizierter Hund. So startet unser Morgen mit einem kleinen Spaziergang in einem benachbarten Park. Nachdem sie dann ihr Frühstück bekommen hat, legt sie sich meist wieder schlafen. Als sie noch jünger war, hatte sie große Schwierigkeiten in der Wohnung zur Ruhe zu kommen und brauchte stattdessen ständig unsere Aufmerksamkeit. Mit Hilfe unserer Hundetrainerin hat sie gelernt, tagsüber zu dösen oder sich selbst mit ihren Spielzeugen zu beschäftigen, während wir arbeiten.

Vor Corona sind wir dann nach Feierabend nach Hause gekommen und haben uns so ab ca. 17 oder 18 Uhr ausgiebig Zeit für sie genommen. Wir haben mit ihr gespielt, sind eine große Abendrunde spazieren gegangen und haben ein paar Denksportaufgaben geübt. Meist hat ihr das auch an Aktivität für den Tag ausgereicht.

Seit Corona sind wir beide aufgrund des Studiums bzw. der Selbstständigkeit meines Partners im Alltag durchgehend zu Hause. Gomi schläft weiterhin im Körbchen, während wir zu Hause am Schreibtisch sitzen. Sie hat sich schnell an unseren Rhythmus angepasst und erinnert uns jetzt regelmäßig an unsere Mittagspause oder an unseren Feierabend. Dann fordert sie kurze Spiel- oder Streicheleinheiten, die uns eine kurze Pause vom stressigen Alltag ermöglichen.

In besonders stressigen Prüfungsphasen nehmen wir uns teilweise gegenseitig Aufgaben ab, wenn es für die anderen Person gerade weniger stressig ist. Den Großteil der Zeit ist Gomi aber der nötige Ausgleich zur Prüfungsvorbereitung. Und wenn es ganz hart auf hart kommt, dann ist sie auch schon glücklich, wenn sie nach dem Spaziergang einfach bei uns sein kann. Dann verlagern wir das Lernen vom Schreibtisch auf das Sofa für beispielsweise einige Stunden am Abend und sie legt sich dann zu uns und sucht den Körperkontakt. Für kurze Phasen reicht ihr das auch mal aus. Da sie meist morgens auch weniger Lust auf ausgedehnte Spaziergänge hat und des Öfteren mal einfach stehen bleibt, wenn sie nur ihr Frühstück und danach wieder ins Körbchen will, sind bei uns eh die abendlichen Runden die längeren. Nach einem langen Tag der Prüfungsvorbereitung sind das aber gerade die Runden, die mir am besten helfen, den Kopf für neuen Lernstoff frei zu bekommen.

 

2. Kannst du sie zur Uni oder zum Nebenjob mitnehmen? Wenn nicht: Wie regelst du in der Zeit die Betreuung?

Gomi konnte ich in der Zeit, als ich noch täglich zur Uni gefahren bin, nicht mitnehmen. Zu Beginn ihrer Zeit mit uns hatte ich auch noch einen deutlich längeren Weg zur Uni. So gingen täglich ca. drei Stunden für den Fahrtweg drauf. Auch wenn sie schon früh gelernt hat, im Schnitt acht Stunden allein zu bleiben, hat das natürlich meine Zeit an der Uni auf ca. fünf Stunden maximal begrenzt. Auch mein Partner war damals noch nicht selbstständig, sodass es häufig darauf hinauslief, dass ich früher aus der Uni nach Hause gefahren bin. Mein Vorteil ist, dass ich kein auditiver Lerntyp bin und entsprechend auch vor Gomi oft zu Vorlesungen, in denen ich wenig mitgenommen habe, nicht hingegangen bin. Stattdessen konnte ich mich besser durch Eigenarbeit von zu Hause aus auf den Stoff vorbereiten.

Auf der Strecke blieben dabei aber oftmals spontane Treffen nach der Uni mit anderen Studierenden. Daher sind wir nach Hamburg gezogen und konnten so den Fahrtweg auf ca. eine Stunde insgesamt verkürzen.

Zu keiner Zeit konnte ich Gomi regelmäßig mit in die Uni oder zum Nebenjob nehmen. Sie konnte aber die Zeit immer gut alleine bleiben, sodass wir uns bisher nicht um externe Betreuung kümmern mussten.

Gomi wurde dennoch früh von uns auf alle möglichen Veranstaltungen mitgenommen, sodass sie gerne unter Menschen ist. Wenn Abendveranstaltungen oder Lerntreffen beispielsweise in Cafés anstanden, nehme ich sie, wo es zeitlich passt, immer mit. Wir durften die Erfahrung machen, dass es für sie aufregend ist, mit uns unterwegs zu sein und unsere Freund:innen zu treffen und diese sich wiederrum immer sehr freuen, wenn Gomi dabei ist.

 

3. Wie viel Geld musst du in der Regel monatlich für den Hund einplanen (Futter, Tierarzt/ärztin, Betreuung, Spielzeug, Hundeschule…)?

Da Gomi mit 4,5 kg ein eher kleinerer Hund ist, halten sich ihre Futterkosten ebenfalls in Grenzen. Im Monat geben wir für Futter und Snacks in der Regel ca. 40-45€ aus.

Betreuung benötigen wir im Alltag nicht. Sollten wir doch mal eine Veranstaltung haben, auf der sie auswärts betreut werden muss, sind wir dankbar, auf Freund:innen und Familie zurückgreifen zu können. Betreuungskosten fallen entsprechend nicht an.

Gomi ist kein Hund, der Spielzeuge kaputt macht. Sie bekommt in der Regel zu ihrem Geburtstag ein Spielzeug von uns, dass zwischen 10-25€ kostet. Natürlichen kaufen wir auch zwischendurch ein oder zwei Mal im Jahr ein neues Spielzeug, was wir im Vorbeigehen sehen. Damit die Spielzeugflut aber nicht überhandnimmt und da sie auch gelegentlich aus der Familie Spielzeuge geschenkt bekommt, versuchen wir, es darauf zu beschränken.

Mittlerweile trainieren wir im Alltag nur noch nach Bedarf und auf eigene Faust. Wir waren aber die ersten 2,5 Jahre mit Gomi in der Hundeschule und haben monatlich im Schnitt 50€ für die Stunden gezahlt.

Gomi hatte bisher keine großen gesundheitlichen Probleme. Neben den jährlichen Impfungen, die sich je nach Impfumfang auf ca. 30-70€ belaufen, kaufen wir etwa alle zwei Monate ihre Zahnpasta für 13€ nach. Dazu kommen üblicherweise ein bis zwei Tierarztbesuche außer der Reihe wegen kleineren Problemchen, die uns regelmäßig zwischen 30€ und 50€ kosten.

Rechnet man alle aufgeführten Kosten zusammen, teilweise verteilt auf das Jahr, kostet uns Gomi im Monat maximal 118,60€ im Schnitt. Diese Kosten teilen wir uns natürlich, sodass für mich alleine etwa 60€ anfallen. Seit die Hundeschule weggefallen ist, verringerten sich die Kosten entsprechend deutlich.

 

4. Hattest du deinen Hund schon vor dem Studium oder hast du ihn erst währenddessen adoptiert? Was hat dich dazu bewegt, dich in dieser Lebensphase dafür zu entscheiden?

Wir haben Gomi am Ende meines ersten Semesters adoptiert. Wir hatten schon länger den Wunsch nach einem Haustier und Gomi spontan im Internet gefunden. Als sich auf unsere Anfrage hin herausstellte, dass Gomi, damals noch ein neun Wochen alter Welpe, von ihren neuen Besitzern, die sie gerade erst selbst vom Züchter geholt hatten, aufgrund einer drohenden Wohnungskündigung schnellstmöglich wieder abgegeben werden musste, haben wir uns ganz spontan dafür entschieden, sie vor dem Tierheim zu retten.

Im Nachhinein haben wir die Entscheidung genau zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Wir hatten beide die Zeit und ausreichende Flexibilität, den Hund an unseren Alltag und das junge Studentenleben zu gewöhnen. So war es nicht unüblich, dass wir Gomi, die erst einige Monate alt war, für ein paar Stunden abends mit auf Studentenpartys nahmen. Nachdem sie einige Zeit mit allen möglichen Gästen gespielt hatte, haben wir sie auf den Arm genommen oder in ihr Körbchen gelegt, wo sie in Ruhe geschlafen hat, während wir uns weiter mit den Gästen unterhielten.

Rückblickend ist diese sehr frühe Sozialisierung vermutlich auch ein Faktor dafür, dass sie heute so unproblematisch und selbstverständlich ein Teil jeglicher unserer Lebenssituationen sein kann. Heute fährt sie mit uns Bahn, macht lange Roadtrips im Auto durch Deutschland, Österreich und die Niederlande, fährt mit uns in einer kleinen Tasche, in der sie sitzen kann, lange Fahrradtouren und übernachtet wo auch immer wir sie mit hinnehmen.

 

5. Welche Tipps hast du für andere Studierende, die überlegen, einen Hund zu adoptieren?

Zunächst würde ich dazu raten, sich einen Hund auszusuchen, der von der Größe und von der Rasse her zu dem jeweiligen Lebensstil passt. Gerade in der Stadt kann es in kleinen Wohnungen oder WG-Zimmern schwierig sein, einen besonders großen Hund zu halten. Besonders wenn man als Einzelperson über einen Hund nachdenkt, würde ich mich vorher informieren, ob ich in der Anfangszeit der Eingewöhnung meine Arbeit oder die Uni flexibel koordinieren kann und ob ich Freund:innen und Familie habe, die mich bei der Betreuung unterstützen können.

Aus meiner Sicht am wichtigsten ist es aber, meinen Alltag nicht um den Hund herum zu planen, sondern den Hund in meinen Alltag zu integrieren. Wenn der Hund mich stressfrei zur Post, auf den Markt, ins Café oder Restaurant, in die Bahn usw. begleiten kann, dann muss ich weniger Zeit dafür aufwenden, ausschließlich den Hund zu beschäftigen. Als Rudeltier möchte zumindest unser Hund immer bei uns sein. So wird beispielsweise ein Restaurantbesuch, zu dem wir je 15 Minuten zu Fuß hin und wieder zurück gehen, für sie mindestens so aufregend wie ein gleichlanger Spaziergang. Damit das für den Hund aber auch spannend und nicht beängstigend wird, würde ich die erste Zeit großen Wert darauf legen, den Hund schonend an alle möglichen Situationen und Umgebungen zu gewöhnen. Auch eine frühzeitige Gewöhnung ans Alleinbleiben und an das Hundesitten durch Freund:innen und Familie erleichtert den Alltag später sehr. So wird der Hund der perfekte Alltagsbegleiter, der den Alltag bereichert und nicht einschränkt.