Studieren im Saarland: Jura an der UdS

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Ihr denkt darüber nach, im Saarland zu studieren? Dann ist unsere Reihe „Studieren im Saarland“, in der wir verschiedene Studiengänge an den saarländischen Hochschulen vorstellen, etwas für euch. Als erstes stellen wir euch das Studium der Rechtswissenschaften vor.

Das Jura Studium (auch: Studium der Rechtswissenschaften) ist bekanntlich eine sehr lange Angelegenheit. Anders als die meisten Studiengänge macht man typischerweise keinen Bachelor/Master, sondern schließt mit dem Staatsexamen ab. Dieses besteht aus einem staatlichen Teil und einem Schwerpunkt. Nach dem ersten Staatsexamen, das unmittelbar nach dem universitären Studium abgelegt wird, geht man ins Referendariat und schließt dieses nach zwei Jahren mit dem zweiten Staatsexamen ab. Regelstudienzeit bis zum ersten Examen sind dabei neun Semester. Die meisten Studierenden brauchen jedoch noch ein wenig länger und hängen ein paar Semester dran für die Examensvorbereitung.
Der Weg zum ersten Examen ist dabei nicht auf jeder deutschen Universität derselbe. Heute stelle ich euch im Rahmen unserer Reihe „Studieren im Saarland“ den Ablauf des universitären Studiums an der Universität des Saarlandes (kurz: UdS) vor.
Das saarländische Modell ist eines, das an die Schule erinnert: Man muss eine gewisse Punktzahl erreichen, um ins nächste Jahr „versetzt“ zu werden. Die Vorlesungen, die in jedem Semester zu belegen sind, sind fest vorgegeben. Erreicht man nicht genug Punkte, muss man statt nur ein Semester – oder einzelne Fächer – gleich das ganze Jahr wiederholen. Dazu im Einzelnen:

In jedem Fach wird eine Klausur geschrieben. Dabei können im Jahr bis zu 72 Leistungspunkte erreicht werden. Die zu erreichenden Punktzahlen liegen dabei zwischen mindestens zwei und maximal zehn. Studierende müssen ein Minimum von 50 Punkten erreichen, um direkt versetzt zu werden. 40 Leistungspunkte sind Voraussetzung, um in die Nachklausuren gehen zu können. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass man nicht unbedingt alle Klausuren bestehen muss (obwohl das absolut machbar ist), um ins nächste Jahr versetzt zu werden.

Außerdem werden während des Semesters Übungen im Strafrecht, Bürgerlichen Recht und Öffentlichen Recht angeboten. Die Übungsscheine sind Voraussetzung für die Zulassung zum Examen. Hierbei muss man eine von zwei angebotenen Hausarbeiten schreiben und bestehen und eine von drei Klausuren. Im ersten Moment erscheint es vielleicht sehr viel, während der Vorlesungszeit, in der man bis zu neun Vorlesungen hat, auch noch einen Schein zu machen. Die Hausarbeiten werden jedoch in der vorlesungsfreien Zeit geschrieben, weshalb im Semester nur die Klausuren zu bestehen sind. Wegen des Drucks im Studium entscheiden sich einige Studenten dazu, die Übungen erst in der Examensvorbereitung zu machen. Sie meinen dann vermeintlich mehr Zeit dafür zu haben. Davon rate ich jedoch entschieden ab. Denn in der Examensvorbereitung sollte man sich auf diese konzentrieren. Ein nicht bestandener Übungsschein kann auch schnell mal bedeuten, dass man ein Jahr an das Studium anhängen muss. Sowohl das Schreiben der Hausarbeiten als auch der Klausuren sind im Grundstudium gut zu schaffen.

Hat man dann nach drei Jahren (sechs Semester) das Grundstudium hinter sich gebracht, bestehen zwei Möglichkeiten. Entweder man beginnt sofort mit dem Schwerpunkt oder man geht in die Vorbereitung für den staatlichen Teil des ersten Staatsexamens. Für die zweite Lösung entscheiden sich viele (so auch ich). Diese hat den Vorteil, dass man nach dem achten Semester den „Freischuss“ schreiben kann. Beim Nicht-Bestehen des staatlichen Teils wird dieser extra Versuch nicht mitgezählt.

Das doch sehr schulische System an der Saarbrücker UdS hat seine Vor- und Nachteile. In allen Fächern eine Klausur schreiben zu müssen, ist beides. Denn so wird man gezwungen, etwa auch für Fächer, die im Saarland nicht examensrelevant sind zu lernen. Außerdem hilft es, schon früh einen guten Überblick über die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Rechtsgebieten zu schaffen.
Allerdings ist dadurch auch den Druck in der Klausurenphase höher. Statt nur für vier oder fünf muss man plötzlich für acht oder neun Fächer lernen. Das ist auch eine gute Vorbereitung auf die Examensprüfungen, bei denen man ebenfalls sechs Klausuren in einem kurzen Zeitraum schreiben muss. Für mich persönlich war dieses System das Richtige. Ich wurde so „gezwungen“, mein Studium ohne weitere Umwege und ohne Verzögerungen durchzuziehen. Das Jurastudium ist, egal wo man studiert, ein anspruchsvolles. Die Rahmenbedingungen an der Universität des Saarlandes haben es mir allerdings ermöglicht, das Studium geordnet und mit Struktur zu meistern.