Studieren im Saarland: Cybersicherheit an der UdS

ZRDyoung-Redaktion · 

Ohne IT-Sicherheit und Datenschutz ist unsere digitalisierte Gesellschaft nicht mehr vorstellbar. Regelmäßig erleben wir, was passiert, wenn Schutzsysteme versagen. Eine, die sich mit solchen Herausforderungen bestens auskennt, ist Lisa Hoffmann. Die junge Absolventin nimmt uns mit durch ihr Studium der Cybersicherheit in Saarbrücken!

Mein Name ist Lisa Hoffmann. Ich bin 24 Jahre alt, arbeite am ZRD und habe gerade meine Bachelorarbeit für den Studiengang Cybersicherheit an der Universität des Saarlandes abgegeben. Da ich nun alle Aspekte des Studiengangs gesehen und erlebt habe, möchte ich einen Erfahrungsbericht für zukünftige Studierende der Informatik und evtl. sogar der Cybersicherheit verfassen.

Für alle Interessenten wichtig zu wissen ist, dass alle Module, die speziell für den Studiengang Cybersicherheit sind, in Englisch gehalten werden. Auch die Abgaben und Klausuren werden nur in englischer Fassung gestellt. Es steht den Studierenden in den ersten Semestern, abhängig von den Referent:innen, frei, die Klausuren und Abgaben in Deutsch zu beantworten, aber allerspätestens zu der Seminar- und Bachelorarbeit müssen die Abgaben in Englisch erfolgen. Das sollte aber keinen entmutigen, da ich im Gymnasium nie über eine 3+ hinausgekommen bin und es trotzdem geschafft habe ?. Die Kernveranstaltungen für alle Informatikstudiengänge, wie z.B. Mathematik für Informatiker 1 und 2, werden in Deutsch gehalten.

Womit wir auf das nächste Thema kämen, nämlich Mathematik. Die ersten Informatiker:innen waren Mathematiker:innen und deshalb kommt man in keinem Informatikstudiengang um eine große Menge Mathematik herum. Neben Analysis und Linearer Algebra dreht sich viel um Beweise. Manchmal wird sogar verlangt, eigenständig Beweise zu führen. Das klingt jetzt erst einmal sehr erschreckend und ich muss gestehen, dass dies meine größte Schwäche während des Studiums war. Aber man wird nicht einfach ins kalte Wasser geworfen. Die Vorlesungen sind (auch wenn für manche etwas schwerer) dafür vorgesehen, dass man alles Schritt für Schritt lernt. Das Mathematik eine große Rolle spielt, sollte daher keinen abschrecken, der Interesse an diesem Studium hat. Es ist auch nicht so, dass man das, was man in diesen Fächern lernt, nie anwendet. Z.B. lernt man in der „Cryptography“ zu beweisen, wieso manche Verschlüsselungsverfahren sicher bzw. unsicher sind.

So viel zu dem, was Studieninteressierte vielleicht abschrecken könnte. Wenn einen das oben genannte nicht stört oder man gewillt ist, auch mal etwas länger an manchen Problemen zu sitzen (so wie in meinem Fall), bietet das Studium viele interessante Aspekte.
Eine der besten Eigenschaften war für mich die häufige Gruppenarbeit. Viele Vorlesungen verlangen Abgaben in Gruppen, da ansonsten die Anzahl der Abgaben viel zu hoch wäre (Informatik ist einer der größeren Studiengänge an der UdS). Es ist jedem freigestellt, wie viel Zeit er mit seiner Gruppe verbringt. Einige teilen die Aufgaben auf, sodass jeder eine Aufgabe erledigt, andere Gruppen setzen sich lieber zusammen und knobeln das Aufgabenblatt zusammen aus. So habe ich eine tolle Gruppe an Freund:innen getroffen, die seit dem ersten Semester gewachsen ist.


Ein weiterer Vorteil sind die vielen Teilgebiete der Cybersicherheit. Wenn man endlich an dem Punkt angekommen ist, an dem man die Stammvorlesungen (die verpflichtend zu bestehen sind) hinter sich hat, kann man Vertiefungsvorlesungen aus allen Teilgebieten wählen. Auch die Seminare sind frei wählbar. Da man in den Stammvorlesungen Einblicke in viele Gebiete bekommt, kann man sich danach Vorlesungen aussuchen, an denen man interessiert ist. Man kann sich dabei z.B. für „Usable Security“ entscheiden. Dabei lernt man alles rund um das Thema Nutzerstudien und Datenauswertung. Ebenso gibt es „Recht der Cybersicherheit“ (Datenschutz/Strafrecht), bei dem man mehr über den rechtlichen Hintergrund der Datenverarbeitung erfährt. Man kann auch bei „Mobile Security“ mehr über die Sicherheitslücken und Angriffe für mobile Endgeräte lernen. Es gibt so viele Vertiefungsvorlesungen (mit und ohne Fokus auf Mathematik), dass wenige Absolvent:innen die exakt gleichen Vorlesungen und Seminare belegt haben. Man kann hier ganz seine eigenen Interessen einbringen.

Auch wenn ihr in der Schule oder im vorherigen Beruf keine Berührungspunkte mit Informatik hattet, ist das kein Grund, von einem Cybersicherheit-Studium abzusehen. Ich selbst hatte das Fach in der Schule auch nur von der achten bis zur zehnten Klasse. Es mag für den Start etwas schwieriger sein, aber man lernt schnell und die Vorlesungen sind darauf ausgelegt, alles von Grund auf zu erklären. Ich möchte keinen anlügen und sagen, dass es einfacher ist als es klingt. Es ist viel Arbeit und ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich das niemals schaffen werde (nach meiner Erfahrung ist das aber nicht nur bei Informatikern so).

Wenn ihr Interesse habt, dann informiert euch unter https://www.uni-saarland.de/studium/angebot/bachelor/cybersicherheit.html . Es lohnt sich auf jeden Fall! ?