Mit Mentor durchs Studium – Das Saarbrücker Stipendien-Modell

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Dieser Beitrag möchte einen Überblick über verschiedene Arten von Stipendien geben und das speziell für Saarbrücker Studierende eingerichtete Stipendiatenprogramm „BestJuraSaar“ vorstellen.

Viele Studierende spielen während ihres Studiums mit dem Gedanken, sich für ein Stipendium zu bewerben. Und die Versprechungen der einzelnen Stipendiengeber erscheinen allzu verlockend. Neben der finanziellen Unterstützung, die im Gegensatz zur Förderung durch „BAföG“ nicht zurückzuzahlen und darüber hinaus noch steuerfrei ist, versprechen sich viele Studierende auch eine Bereicherung ihres Studiums durch ein breites Angebot an extracurricularen Zusatzangeboten, mit denen viele Stipendienwerke werben.

Doch wie schwer ist der Zugang zu einem Stipendiatenprogramm? Welche Hürden müssen gemeistert werden? Und wie unterscheiden sich die einzelnen Leistungen und Zugangsvoraussetzungen der Stipendiengeber voneinander?
 
Wer sich über die Möglichkeiten eines Stipendiums informiert, wird zunächst auf die Stipendiatenprogramme der großen Begabtenförderwerke hingewiesen. Insoweit gibt es insgesamt 13 unterschiedliche Förderwerke in Deutschland. Diese bieten zwar in der Regel eine umfangreiche finanzielle Unterstützung. Ergänzend wird auch angeboten, über das Netzwerk des Förderers an diversen außeruniversitären Zusatzprogrammen teilzunehmen. Voraussetzung für eine Bewerbung ist jedoch oft, dass die eigenen politischen wie weltanschaulichen Ansichten mit denen des jeweiligen Förderwerks übereinstimmen. Die meisten dieser Förderwerke stehen politischen Parteien oder kirchlichen Institutionen nahe. Aber auch wenn die eigenen Ansichten mit denen des Förderers korrespondieren, müssen für eine Förderung noch weitere Hürden überwunden werden. So ist neben den Grundvoraussetzungen – herausragende Studienleistungen und soziales Engagement – in der Regel auch ein Empfehlungsschreiben eines Lehrers oder Professors notwendig. Auch wer diese Voraussetzungen erfüllt, hat sein Ziel der Förderung jedoch noch nicht erreicht.  Die endgültige Auswahl erfolgt bei den meisten Förderwerken erst in einer zweiten Bewerbungsrunde. Dies geschieht dabei in der Form eines Assessment-Centers, in welchem sich die Antragsteller gegen ihre studentischen Mitbewerber durchsetzen müssen.

Insgesamt bieten die großen bekannten Förderwerke daher zwar eine breite Palette finanzieller wie ideeller Unterstützung. Die Zugangsvoraussetzungen sind dafür jedoch sehr hoch.

Eine andere Richtung schlagen hingegen Stipendien von Online-Netzwerken wie e-fellows.net ein. Diese erlauben zwar meist eine unkomplizierte und schnelle Online-Bewerbung. Eine finanzielle Unterstützung wie bei den großen Förderwerken erfolgt hierbei in der Regel jedoch nicht. Zwar ist die von den Netzwerken bereitgestellte ideelle Förderung wie etwa der Zugang zu Experten-Foren und Online-Weiterbildungskursen ebenfalls hilfreich für Studierende. Jedoch stellt die monetäre Unterstützung und damit die finanzielle Entlastung während des Studiums oftmals einen besonderen Anreiz für die studentischen Bewerber dar. Studierende finden sich gerade zu Beginn Ihres Studiums häufig in der Situation, dass sie sich in einem vollkommen neuen Umfeld behaupten müssen und ihr Leistungsaufwand im Vergleich zur schulischen Ausbildung um ein Vielfaches gesteigert ist. Viele Studierende haben daher typischerweise schon aus Zeitgründen nur eingeschränkt die Möglichkeit, neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Eine finanzielle Unterstützung durch ein Stipendium stellt daher eine willkommene Entlastung in dieser neuen Situation dar.

Stipendien von Online-Netzwerken zeichnen sich demnach gerade durch ihre unkomplizierte Zugangsmöglichkeit sowie ihre ideelle Unterstützung aus. Die fehlende finanzielle Förderung kann jedoch im Einzelfall für den Antragsteller durchaus ein gewichtiger Faktor sein.

Eine besondere Stellung unter den Stipendiatenprogrammen nimmt das seit 2014 an der Universität des Saarlandes angesiedelte Programm „BestJuraSaar“ ein. Dieses vom Institut für Arbeits- und Sozialrecht in Zusammenarbeit mit der StudienStiftungSaar durchgeführte Förderprogramm ist spezifisch für Saarbrücker Jura-Studierende ausgerichtet. Es bietet zum einen eine finanzielle Förderung. Studierende erhalten eine Unterstützung in Höhe von 300 Euro monatlich für die Dauer eines Jahres. Charakterisiert wird dieses Angebot jedoch durch das damit verbundene Mentorenprogramm. Hierbei wird jedem Stipendiaten währen des gesamten Studiums bis hin zum Berufseinstieg ein erfahrener Jurist aus der Praxis als Mentor zur Seite gestellt. Dieser soll als persönlicher Ansprechpartner fungieren und dem geförderten Studenten mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese begleitende soziale Komponente erweist sich gerade zu Beginn des Studiums für viele Studierende als hilfreich. In dieser neuen und bisher unbekannten Situation stellen sich typischerweise viele Fragen bezüglich des Verlaufs des Studiums sowie des weiteren beruflichen Werdeganges. Darüber hinaus findet während der Förderzeit auch regelmäßig ein jour-fixe mit allen Studierenden und Betreuern des Programms statt. Dieser ermöglicht einen gemeinsamen Austausch. Auch die weitere ideelle Förderung ist durch interessante Studienfahrten sowie die Möglichkeit zur Teilnahme an Workshops und Seminaren über das Netzwerk der StudienStiftungSaar gegeben. Hierdurch ermöglich „BestJuraSaar“ eine Förderung, die mit den großen Förderwerken mithalten kann bzw. durch die Bereitstellung eines persönlichen Mentors konzeptionell noch über diese hinausgeht. Die Zugangsvoraussetzungen sind dabei auch allgemeiner gefasst als typischerweise bei den großen Förderwerken. Bewerben können sich im Jahreszyklus alle Jurastudierenden, die im Staatsexamensstudiengang der Universität des Saarlandes eingeschrieben sind und sich im jeweiligen Bewerbungszeitraum im zweiten Fachsemester befinden. Die Auswahl erfolgt dabei anhand der bisherigen erbrachten Studienleistungen sowie des sozialen Engagements des Studenten. Weiterhin ist für die Bewerber die Möglichkeit eröffnet, ihr Interesse am Programm durch ein Motivationsschreiben inhaltlich zu unterstützen. Besondere Zugangsvoraussetzungen wie Empfehlungsschreiben oder die Teilnahme an einem Assessment-Center sind hingegen nicht erforderlich. Daher bietet das Stipendienprogramm „BestJuraSaar“ eine zu den großen Förderwerken zumindest vergleichbare Alternative.

Für Stipendienbewerber kann sich das Problem stellen, dass Förderprogramme personalisierte Zugangsvoraussetzungen haben oder nur eine begrenzte Förderung aufweisen. Das Stipendienmodell an der Universität des Saarlandes stellt daher für Saarbrücker Jura-Studierende eine willkommene Alternative dar, die sich besonders durch das begleitende Mentorenprogramm auszeichnet.