Auslandsstudium in Zeiten von Corona

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Viele Studierende möchten während ihres Studiums einen längeren Auslandsaufenthalt absolvieren – sei es, um ihre Fremdsprachenfertigkeiten zu verbessern oder um neue Erfahrungen zu sammeln und in eine fremde Kultur einzutauchen. Doch gerade in Zeiten von Corona und ständig wechselnden Reisebeschränkungen gestalten sich Auslandsaufenthalte als schwierig. Wie es dennoch möglich ist, auch in Pandemiezeiten internationale Erfahrungen zu sammeln und welche Vor- und Nachteile klassische Auslandsaufenthaltsarten mit sich bringen, wird im vorliegenden Beitrag erläutert.

Mehr als die Hälfte aller Studierenden an deutschen Hochschulen plant, im Verlauf ihres Studiums einen längeren Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Dies ist nicht verwunderlich. Nicht nur besteht im Rahmen eines Auslandssemesters die Möglichkeit, in eine fremde Kultur einzutauchen und neue Erfahrungen zu sammeln. Auch auf dem Arbeitsmarkt wird ein Auslandsaufenthalt oftmals belohnt. So stufen viele Arbeitgeber Auslandserfahrungen als eine Bereicherung ihrer potentiellen Arbeitnehmer ein. Denn ein Auslandsaufenthalt bringt nicht nur eine Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse mit sich, sondern schärft auch die interkulturellen Kompetenzen. Hierdurch können sich Berufseinsteiger mit Auslandserfahrungen von ihren Mitbewerbern absetzen.

Doch welche Wege gibt es, um Auslandserfahrungen zu sammeln? Wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt mit dem eigenen Studium am besten kombinieren? Und welche Möglichkeiten bestehen in Zeiten einer weltweiten Pandemie mit zahlreichen Reisebeschränkungen, dennoch internationale Erfahrungen zu sammeln? Um diese Fragen zu beantworten, beleuchtet dieser Beitrag die klassischen Auslandsperspektiven von Studierenden. Darüber hinaus werden auch mit der Coronakrise neu entstandene Wege aufgezeigt, die es erlauben, in Zeiten weltweiter Reisebeschränkungen neue Kulturen kennenzulernen und internationale Kontakte zu knüpfen. Hierbei werden auch die Vor- und Nachteile der jeweiligen Aufenthaltsarten aufgezeigt, sodass jeder Studierende die für sein Studium am besten passende Aufenthaltsmöglichkeit bestimmen kann.

Wenn man mit dem Gedanken spielt, im Verlauf seines Studiums einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, so merkt man schnell, dass es hierfür bisher insbesondere drei verschiedene Wege gab. Als erstes ist hierbei zunächst das klassische Auslandsstudium zu nennen. Dieses eröffnet die Möglichkeit, ein oder mehrere Semester an einer ausländischen Universität zu studieren. Insbesondere bei international ausgerichteten Studiengängen oder Studienfächern, die einen ausgeprägten Fremdsprachenbezug aufweisen, gehört ein Auslandssemester häufig zu den festen Bestandteilen des Studiums. Aber auch bei Studiengängen, die einen solchen Auslandsaufenthalt nicht vorsehen, besteht häufig die Möglichkeit, sich einzelne – während des Auslandsstudiums gesammelte – Studienleistungen anrechnen zu lassen. Sollte eine Anrechnung jedoch nicht in Betracht kommen, besteht des Weiteren noch die Möglichkeit, ein Urlaubssemester zu nehmen und sich für die Zeit des Auslandssemesters von seinen studienbedingten Verpflichtungen befreien zu lassen. Auf diese Weise kann im Ausland ein neues Studiensystem kennengelernt werden.  Zudem können internationale Erfahrungen gesammelt und die eigenen Fremdsprachenkenntnisse verbessert werden, ohne Nachteile im eigenen Studium zu erleiden. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass ein solches Auslandsstudium unter Umständen beträchtliche Kosten mit sich bringt. Der Auslandsstudent hat zum einen die Lebenshaltungskosten zu tragen, die je nach Zielland um einiges höher sein können als in Deutschland. Zum anderen erheben viele ausländische Universitäten auch Studiengebühren, die ebenfalls erheblich ins Gewicht fallen können. Zwar besteht die Möglichkeit, diese Gebühren durch Lehrkooperationen der Heimuniversität zu verringern, und es existieren auch Förderprogramme für studienbedingte Auslandsaufenthalte. Dennoch muss ein Großteil der Kosten oft selbst getragen werden. Dadurch kann ein studienbedingter Auslandsaufenthalt durch die noch hinzukommenden Reisekosten zu einer kostspieligen Sache werden.

Eine kostengünstigere Alternative kann daher das Absolvieren eines Auslandspraktikums darstellen. Bei diesem wird ein Praktikum bei im Ausland angesiedelten Unternehmen oder bei internationalen Organisationen absolviert. Solche Praktika sind in der Regel kürzer und flexibler planbar als ein Auslandsstudium und dauern typischerweise zwischen einigen wenigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Gerade durch die verkürzte Zeit des Auslandsaufenthalts wird es möglich, diesen auch während der Semesterferien zu absolvieren. Hierdurch werden eventuelle Konflikte mit dem Studium vermieden. Durch ein solches Praktikum können neben dem Studium bereits erste berufliche Erfahrungen in einem internationalen Umfeld gesammelt werden. Die verkürzte Auslandszeit erweist sich zudem im Regelfall als kostengünstiger als ein gesamtes Auslandssemester. Auch hierbei besteht die Möglichkeit einer Finanzierungshilfe durch die Inanspruchnahme entsprechender Förderprogramme. Dennoch muss ein Großteil der Kosten aus eigenen Mitteln bewirkt werden. Hinzukommt des Weiteren, dass Auslandspraktika im Regelfall unbezahlt sind. Es besteht somit keine Möglichkeit, durch die geleistete Arbeit die eigenen Finanzmittel aufzustocken.

Die bisher wohl kostengünstigste Alternative eines Auslandsaufenthalts stellt daher das klassische Work & Travel dar. Bei diesem werden die nötigen Reise- und Unterhaltskosten durch Gelegenheitsjobs vor Ort im Reiseland verdient. Zwar eröffnet diese finanzielle Ungebundenheit die Möglichkeit, viele verschiedene Orte zu bereisen – statt nur am Studien-/Praktikumsort zu bleiben – und hierdurch die Auslandserfahrung zu intensivieren. Jedoch besteht zwischen dem Work & Travel-Aufenthalt und dem eigenen Studium häufig keine inhaltliche Verknüpfung. Daher gelingt es nicht immer, den Auslandsaufenthalt sinnvoll mit dem beruflichen Werdegang zu verbinden. Allerdings beinhaltet diese Art der Auslandserfahrung eine besonders hohe Flexibilität. Ein derartiger Aufenthalt kann problemlos in den Semesterferien absolviert werden. Hierdurch können auch Konflikte mit dem eigenen Studium vermieden werden.

All diese Möglichkeiten setzen jedoch voraus, dass ein Auslandsaufenthalt überhaupt durchgeführt werden kann. Da dies in Zeiten von Reisebeschränkungen und Quarantänevorschriften jedoch nicht immer der Fall ist, besteht seit Beginn der Coronakrise neuerdings auch die Möglichkeit eines virtuellen Auslandsaufenthalts. Hierdurch können Studierenden Vorlesungen ausländischer Universitäten besuchen, ohne eine Auslandsreise antreten zu müssen. Zwar ist hierdurch das Eintauchen in eine neue Kultur zunächst nur in einem eingeschränkten Umfang möglich. Allerdings werden durch die Vorlesungsteilnahme sowie durch die von vielen Universitäten angebotenen virtuellen Aktivitäten neben dem Studium die Fremdsprachenkenntnisse ebenso gesteigert wie bei einem gewöhnlichen Auslandsaufenthalt. Die Videozusammenkünfte von Studenten aus unterschiedlichen Ländern fördern des Weiteren auch das interkulturelle Verständnis und ermöglichen es, weitreichende internationale Kontakte zu knüpfen. Durch das Absolvieren des „Auslandsaufenthalts am eigenen Wohnsitz“ wird im Übrigen auch das Kostenrisiko auf ein Minimum reduziert. Neben den ausländischen Vorlesungen können zudem die Veranstaltungen an der Heimuniversität weiterhin besucht werden. Hierdurch lässt sich das virtuelle Auslandsstudium besonders gut mit dem eigenen Studienverlauf verbinden. Zudem besteht auch bei dieser Form des Auslandsstudiums die Möglichkeit, sich einzelne – an der ausländischen Universität absolvierte – Studienleistungen anrechnen zu lassen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass durch die Coronakrise und die damit eingeschränkten Reisemöglichkeiten viele Arten des studienbegleitenden Auslandsaufenthalts nur noch in einem verringerten Umfang möglich sind. Durch den Einsatz von Videotechnik haben sich jedoch auch neue Möglichkeiten ergeben, ohne größeren Kostenaufwand internationale Erfahrungen zu sammeln. Dieser – durch die Umstände erzwungene – Weg könnte sogar für viele Studierende – schon aus Studien- und Kostengründen – in Zukunft eine willkommene Alternative zum klassischen Auslandsaufenthalt darstellen.