Active Recall und Spaced Repetition

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Auf der Suche nach stetig wachsender Produktivität und der Optimierung des Lernkonzepts stoßen Studierende immer häufiger auf die Begriffe „Active Recall“ und „Spaced Repetition“. Doch können diese Lernmethoden wirklich den Lernerfolg steigern und halten, was sie versprechen? Was genau steckt dahinter und wie funktionieren diese Lernkonzepte?

Active Recall

„Active Recall“ bezeichnet das aktive und bewusste Abrufen von Lerninhalten aus dem Gedächtnis. Was sich zunächst nach einfachem Wiederholen anhört, ist tatsächlich eine ausgeklügelte Lernstrategie. Zunächst soll durch die selbstständige Abfrage von bereits Gelerntem das Verständnis dafür einfacher und schneller entstehen. Außerdem trägt es dazu bei, Verbindungen zwischen einzelnen Inhalten zu knüpfen. Das soll – im Gegensatz zu herkömmlichen passiven Lernmethoden wie dem Lesen – dafür sorgen, dass Gelerntes schneller in das Langzeitgedächtnis übergeht.

Es gibt viele unterschiedliche Methoden, wie man den „Active Recall“ in seine Lernroutine einbetten kann. Eine der einfachsten ist das Arbeiten mit Karteikarten. Man sollte sich bereits beim Lernen Fragen oder Stichworte zum Lernstoff überlegen und diese gegebenenfalls auf die Karteikarten schreiben. Das können hypothetische Klausurfragen zu dem gerade behandelten Thema, Eselsbrücken oder Verbildlichungen sein, mit denen der Stoff greifbarer gemacht wird. Wenn man sich dann im Nachgang an solche erinnert, fällt es auch leichter den gelernten Stoff aus dem Gedächtnis abzurufen. Ein weiterer Vorteil von Karteikarten ist, dass man damit beliebig oft erneut üben kann.

Solltet ihr viel mit Büchern arbeiten könnte die folgende Methode für euch hilfreich sein. Wer kennt es nicht: Man sitzt vor dem Buch, liest ewig darin und am Ende hat man doch das Gefühl man konnte sich nichts merken. Versucht das nächste Mal eine Seite oder ein Kapitel zu lesen, dann das Buch zuzuklappen und euch direkt Notizen über das soeben Gelesene zu machen. Dadurch werden die Informationen direkt nochmal abgerufen und durch das eigenständige Aufschreiben kann das Gehirn das gelesene besser aufnehmen. Sollte man sich nicht an alles erinnern können, liest man am Schluss nochmal im Buch nach.

Eine weitere Möglichkeit, Gelerntes zu vertiefen und aktiv abzurufen ist das Erklären von Inhalten. Schnappt euch Freunde, eure Eltern oder ein Haustier und erklärt denen das Thema, mit dem ihr euch gerade befasst. Dadurch, dass ihr euch für das Erklären selbst auch nochmal überlegen müsst, wie alles genau funktioniert, wird das Gelernte nochmal gefestigt. Auch ist es möglich, durch die Diskussion und Nachfragen komplizierte Sachverhalte auf diese Weise selbst besser zu verstehen.

Wir denken uns das Ganze natürlich nicht nur aus. Eine Studie¹ aus dem Jahr 2011 untersuchte verschiedene Lernmethoden und teilte Studierende in vier verschiedene Gruppen auf. Alle Gruppen sollten das gleiche Material lernen und wurden anschließend daraufhin getestet.              
Die erste Gruppe sollte die Materialien nur einmal durchlesen. Die zweite Gruppe las die Unterlagen bereits vier Mal. Die Dritte Gruppe las die Unterlagen und sollte daraufhin eine Mindmap erstellen. Die vierte und letzte Gruppe sollte die Materialien nur einmal lesen und danach so oft wie möglich eigenständig abrufen. Am Ende – ihr könnt es euch denken – hat die vierte Gruppe mit Abstand am besten abgeschnitten.

Spaced Repetition

Neben dem „Active Recall” gibt es auch noch das System der „Spaced Repetition“. Hier geht es darum Lerninhalte immer wieder, jedoch mit unterschiedlichen Zeitabständen zu wiederholen. Das soll insbesondere dafür sorgen, dass Gelerntes nicht nur im Kurzzeitgedächtnis verweilt, sondern auch ins Langzeitgedächtnis übergeht. Der Grundgedanke ist, dass schwierige Lerninhalte öfter wiederholt werden müssen, während bereits gut Gelerntes nicht so oft wiederholt werden muss. Klingt zunächst erstmal logisch.

Hintergrund dieses Konzeptes ist das Phänomen der Vergessenskurve von Hermann Ebbinghaus. Diese zeigt, wie schnell Erlerntes tatsächlich wieder vergessen wird. Nach Ebbinghaus werden bereits nach 20 Minuten 40% des Erlernten vergessen, nach einer Stunde über die Hälfte und nach sechs tagen bereits über 75%. Um dem entgegenzuwirken, sollte man gelernten Stoff insbesondere am Anfang öfter wiederholen. Wenn dieser dann sitzt, verlängert man die Intervalle, in denen man sich erneut mit dem Stoff befasst. Dies macht man so lange, bis das Gelernte auch nach wochenlanger Pause immer noch im Gedächtnis ist.

Auch bei der „Spaced Repetition“ empfiehlt es sich mit Karteikarten zu lernen. Hier gibt es auch gute Apps für digitale Karteikarten, welche automatisch einstellen, wie oft welche Karteikarten wiederholt werden müssen.

Fazit

Sowohl „Active Revall“ als auch „Spaced Repetition“ sind sehr effektive Arten zu lernen. Allerdings bedarf es hier auch viel Disziplin, da die Lernmethoden etwas anstrengender und zeitaufwändiger sind als andere.  Beim Lernen müsst ihr immer für euch selbst entscheiden, welches System oder welcher Trick am besten zu euch passt. Wir können nur sagen: Probiert es mal aus. Der Aufwand lohnt sich.

 

¹Karpicke, Blunt, Retrieval Practice Produces More Learning than Elaborative Studying with Concept Mapping, in Science Vol. 331, S. 772-775, 2011.