WearPrivate

News

  • Projektstart im September

Veröffentlichungen

  • Bianca Steffes, Christian K. Bosse, Aljoscha Dietrich, Hartmut Schmitt: 'Einwilligung oder Anonymisierung? Rechtliche Implikationen der Datenverarbeitung im Beschäftigungskontext'. 2022. Zur Veröffentlichung angenommen.

Die Sammlung und Beobachtung von eigenen persönlichen Daten wie Herzfrequenz oder Blutdruck im Rahmen der sogenannten Selbstvermessung gewinnt in der heutigen Zeit immer mehr an Popularität. Gerne werden hierfür sogenannte Wearables wie Smartwatches oder Smartglasses genutzt. Bei Wearables handelt es sich, ganz allgemein gesagt, um tragbare Geräte, die durch verschiedene Sensoren das Verhalten des Nutzers messen können. Während diese noch vor wenigen Jahren insbesondere im Fitnessbereich eingesetzt wurden, hat sich ihr Anwendungsbereich inzwischen deutlich erweitert. Auch am Arbeitsplatz erscheint der Einsatz von Wearables attraktiv. Für den Arbeitgeber tun sich hierdurch neue Möglichkeiten auf, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen, Krankheiten vorzubeugen und den Einsatz von Arbeitskräften effektiv und sinnvoll zu koordinieren. Dem stehen jedoch rechtliche sowie ethische Bedenken entgegen, die in einen sinnvollen Ausgleich gebracht werden müssen.

Das Forschungsprojekt WearPrivate beschäftigt sich mit den rechtlichen, ethischen und technischen Fragen, die sich beim Einsatz von Wearables am Arbeitsplatz stellen. Ziel von WearPrivate ist es, eine datenschutzfreundliche Nutzung und Auswertung von Wearable-Daten im Beschäftigtenkontext zu ermöglichen. Die Arbeiten des Lehrstuhls für Rechtsinformatik beziehen sich dabei auf die Bereiche Rechtskonformität, Durchsetzung von Datenschutz, Prüfung der Auswirkung von Datenpreisgaben, Selbstbestimmung und der Evaluation. Der Schwerpunkt der Arbeiten im Projekt liegt bei der rechtlichen und ethischen Betrachtung des Szenarios sowie der Erforschung von technischen Lösungsmöglichkeiten zur Anonymisierung von Wearable-Daten. Beide Themenkomplexe sind maßgeblich für die spätere Umsetzbarkeit als auch der technischen Lösungsfindung.

Die Fragen, die sich aus rechtlicher Sicht stellen, sind zum Großteil im Datenschutzrecht, insbesondere in der Datenschutzgrundverordnung und dem Bundesdatenschutzgesetz, angesiedelt. So muss genau analysiert werden, welche Daten überhaupt erhoben werden dürfen und wer dann auf diese zugreifen kann. Da es sich bei den gesammelten Daten um Gesundheitsdaten handelt, sind die Anforderungen an die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung dieser noch zusätzlich verschärft.

Da WearPrivate Szenarien behandelt, die im Beschäftigtenkontext spielen, ergeben sich weitere Besonderheiten hinsichtlich einer möglichen datenschutzrechtlichen Rechtsgrundlage. Soll beispielsweise eine Einwilligung der Arbeitnehmer eingeholt werden, muss ein besonderes Augenmerk auf das Abhängigkeitsverhältnis gelegt werden, in welchem Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen.  

Aus ethischer Sicht muss die Frage gestellt werden, wie dem Gefühl des ständigen Überwachtwerdens entgegengewirkt werden kann, das sich durch das Tragen von Wearables am Arbeitsplatz einstellen kann. Gleichzeitig muss auch sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer keine Nachteile fürchten müssen, sollten die Wearable-Daten einen negativen Eindruck hinterlassen.

An die Beantwortung der rechtlichen und ethischen Fragen schließen sich auch solche des technischen Datenschutzes an.

Im Projekt WearPrivate werden die verschiedenen Interessen der beteiligten Personen analysiert und ihnen wird in einem angemessenen rechtlichen und technischen Rahmen Rechnung getragen.

Projektpartner sind das Fraunhofer IESE, der Lehrstuhl für Rechtsinformatik von Prof. Dr. Sorge und WearHealth.

Weitere Informationen zum Projekt WearPrivate erhalten Sie unter: https://www.wearprivate.de/